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Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.

Johann Wolfgang von Goethe

Der Weg zum Nullenergiehaus – Ein Schritt-für-Schritt-Wegweiser zum eigenen Nullenergiehaus

Im Jahr 2008 erschien die 1. Auflage meines Buches „Der Weg zum Nullenergiehaus – Ein Schritt-für-Schritt-Wegweiser zum eigenen Nullenergiehaus“.

Im Jahr 2013 folgte die 2. überarbeitete und erweiterte Auflage im VDE-Verlag.

Das Buch ist leider nicht mehr erhältlich, außer gebraucht oder in den Universitätsbibliotheken.

Daher habe ich unten das Vorwort der 2. Auflage und das Schlusswort als Zusammenfassung des Inhalts veröffentlicht.

Vorwort — 2. Auflage 2013

Sechs Jahre sind nun vergangen, seit ich 2006 das emissionsfreie Nullenergiehaus geplant und gebaut habe. Viel ist in dieser Zeit geschehen. Die Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I) begann am 11. März 2011, sie war der Auslöser des Atomausstiegs in Deutschland und der Beginn der Energiewende. Die Europäische Union hat in weiterer Folge viele Energieeffizienz-Richtlinien erlassen, die alle das „Energiesparen“ in den Vordergrund rücken. Die wichtigste Neuerung: alle neuen Gebäude müssen ab 2020 bezogen auf den Primärenergieeinsatz nahezu energieautark, also Fast-Nullenergie-Gebäude, sein.
Dieses Buch zeigt, wie Sie schon heute mit meinen fünf Bausteinen das 0–0–0 Ziel des emissionsfreien Nullenergiehauses erreichen können: 0 Energiekosten, 0 Energiebedarf und 0 Emissionen. Mein Haus ist mein Kraftwerk – damit ist der Paradigmenwechsel zur dezentralen Energieversorgung von Gebäuden bereits vorweg genommen.

Das Buch besteht aus 10 Kapitel und einem Wort zum Schluss, 46 Tabellen und 154 Abbildungen in Farbe. Das Buch kann in 4 Teile gegliedert werden.

Im Teil 1 werden die allgemeinen (Kapitel 1) und die technischen (Kapitel 2) Grundlagen erarbeitet, viele Begriffe und Kennzahlen mit ihren physikalischen Einheiten eingeführt und erklärt.

Teil 2 stellt im Kapitel 3 das Kernkonzept des emissionsfreien Nullenergiehauses in den fünf Bausteinen vor. Planung und Umsetzung erfordern ein gutes und richtiges Projektmanagement (Kapitel 4), aber auch Resilienz – Ihre persönliche Widerstandsfähigkeit – im babylonischen Chaos durch die große Anzahl derer am Bau Beteiligter (Kapitel 5), ist sehr hilfreich. Gute Dienste leistet Ihnen auch das Kapitel 6, das mit seinem Konzept der Nahtstellen dafür sorgt, die Baukosten auch einzuhalten.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Teil 3 zeigt in 95 Bildern den Wegweiser zum emissionsfreien Nullenergiehaus und dokumentiert auch alle energetischen Kennwerte, den Aufbau und die U-Werte aller Passivhaus-Bauteile (Kapitel 7). Kapitel 8 zeigt die Perspektiven einer Sanierung von Althäusern auf Passivhaus-Baustandard auf.

Es gibt aber auch viel Kritik an den Nullenergiehäusern, insbesondere am Passivhaus-Baustandard und an der Photovoltaik. Im Kapitel 9, das zum Teil 4 dieses Buchs gehört, gehe ich objektiv (ohne aber meine Überzeugungen zu verleugnen), umfassend und detailliert auf alle bisher bekannten Vorbringungen – entlang der fünf Bausteine – ein. Kapitel 10 ist eines der Highlights dieses Buchs. Sechs Jahre Erfahrungen und sechs Jahre tatsächliche Messdaten erlauben mir ein umfassendes Bild in Form von Auswertungen, Statistiken und Berechnungen über den Energieverbrauch, die Betriebs- und Wartungskosten, aber auch über die Wohnerfahrung zu zeichnen, mit den Ergebnissen: das emissionsfreie Nullenergiehaus funktioniert, die Wärmedämmung ist richtig und funktioniert und die Photovoltaik ist die gute Schwester des Passivhauses. Die Stromspeicher kommen – hier erfahren Sie wie die optimale Kombination aus Photovoltaik und Stromspeicher für einen gewünschten Autarkiegrad berechnet werden kann. Ein Ausblick auf meine geplante Studie „Monitoring im Nullenergiehaus“ beendet das Kapitel 10.

Ein Wort zum Schluss darf auch nicht fehlen. Die wichtigsten Botschaften aus meinem Weg zum emissionsfreien Nullenergiehaus lesen Sie im Kapitel 11.

Drei Menschen möchte ich für ihre fachliche Arbeit danken.

Zum einen Hermann Scheer, dem 2010 leider zu früh verstorbenen Träger des alternativen Nobelpreises und streitbaren deutschen Bundestagsabgeordneten, dem Vater des Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) und damit des Photovoltaik-Booms, dem Autor von Büchern wie „Solare Weltwirtschaft (2002)“, „Energieautonomie. Eine neue Politik für erneuerbare Energien (2005)“ und vor allem „Der EnergETHISCHE Imperativ. 100 % jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist (2010)“, das kurz nach seinem Tod erschien und sich wie sein Vermächtnis liest.
Zum anderen Wolfgang Feist, dem deutscher Physiker und Bauphysiker. Er leitet das von ihm gegründete Passivhaus Institut in Darmstadt und gilt als Vorreiter des Passivhaus-Energiestandards für Gebäude. Ihm rechne ich hoch an, dass seine Forschungsergebnisse und seine angewandte Arbeit für jeden Interessierten offen und kostenlos zugänglich sind (in Form des Passivhaus-Projektierungs-Paket PHPP).
Werner Rauchegger, meinem Energieplaner, danke ich für viele intensive Gespräche über Energie im Allgemeinen und Passivhäuser im Speziellen, aber hauptsächlich für seine hochqualitative Planungsleistung bei meinem emissionsfreien Nullenergiehaus, das so gut funktioniert.

Schlusswort

Geschafft. Das Werk ist vollbracht. Erlauben Sie mir hier noch, die wesentlichsten und wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zum eigenen emissionsfreien Nullenergiehaus kurz zusammenfassen, als eine Art persönliche Checkliste entlang meiner fünf Bausteine, die Sie bei Ihrem Bauvorhaben immer begleiten soll:

  1. Richtige, genaue, widerspruchsfreie und vollständige Planung mit integriertem Energiekonzept ausgehend vom Nutzen des Gebäudes für die Menschen, die darin leben, lieben und arbeiten werden – und denken Sie in Generationen. Ihr Haus ist keine Spielwiese für Selbstverwirklicher unter den Bauprofessionisten.
  2. Passivhaus-Baustandard, aber richtig. Zur Erinnerung die wichtigsten Kennzahlen: maximale Heizlast unter 10 Watt pro m² und maximaler Heizwärmebedarf unter 10 KWh pro m² Energiebezugsfläche, aber berechnen Sie die richtige Fläche, die „Treated Floor Area“ (TFA). Der Passivhaus-Baustandard hat sich seit über 20 Jahren auf der ganzen Welt, in allen Klimazonen und auch in großen Höhen bewährt. Und die Wärmedämmung funktioniert thermodynamisch und praktisch (wie das schreibe, hat es gerade minus 20 °C – aber draußen).
  3. Sowenig Haustechnik wie möglich, soviel Haustechnik wie nötig. Ein Gerät für alles: das Wärmepumpen-Kompaktgerät zum Heizen, Kühlen, Warmwasser und Lüftung mit Wärmerückgewinnung.
  4. Eine eigene Photovoltaikanlage gehört auf jedes Haus, am besten gleich mit einem dezentralen Stromspeicher. Die optimale Kombination aus Photovoltaik und Stromspeicher für einen gewünschten Autarkiegrad kann berechnet werden.
  5. Ökostrom von einem echten Ökostromhersteller – denken Sie an den Stromsee, in den dann weniger nuklearer und fossiler Strom zufließen können.

Mein Haus ist mein Kraftwerk. Mit diesen fünf Bausteinen entwickelt sich Ihr Haus nicht nur zu einem Kraftwerk, sondern es ist auch das 0–0–0 Ziel des emissionsfreien Nullenergiehauses für Sie erreichbar – zur Erinnerung:

  1. 0 Energiekosten
  2. 0 Energiebedarf
  3. 0 Emissionen

Mein emissionsfreies Nullenergiehaus erwirtschaftet durch die Einspeisevergütung für die Photovoltaikanlage noch 100,– Euro im Monat Gewinn. Das ist jetzt nicht mehr erreichbar. Aber nie mehr für Energie im Wohnbereich zu bezahlen, das bleibt weiterhin möglich.
Das deutsche Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) trat seit 2000 einen Siegeszug ohne Gleichen an. Ende 2012 werden bundesweit über 32 GW Photovoltaik installiert sein. Damit ist die Photovoltaik die leistungsstärkste Stromquelle insgesamt, vor der Windkraft, vor der Kohle, vor dem Erdgas und vor der Kernkraft. Der Anteil an der Stromerzeugung aus Photovoltaik erreichte 2012 bereits 5,3 Prozent, an sonnigen Tagen bereits bis zu 20 Prozent. Und es geht weiter: die nationale Plattform „200 Gigawatt Solarleistung für Deutschland“ ist Teil der globalen Initiative „300 Gigawatt jährlich bis 2025“. Nur zwei Jahre nach dem Erscheinen des Buches von Hermann Scheer „Der EnergETHISCHE Imperativ. 100 % jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist“ hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) im Dezember 2012 in einer Studie aufgezeigt (veröffentlicht im Photovoltaik Magazin 12/2012), wie der Umstieg auf erneuerbare Energien (aus Photovoltaik, Wasserkraft, Windkraft und Biomasse) für Strom und Wärme in Deutschland bis 2050 gelingen kann, ohne die Strompreise weiter in die Höhe zu treiben.

In dem Szenario „Medium“ soll knapp ein Viertel der Energie aus Photovoltaikanlagen stammen (auf 40 Millionen Hausdächern und einer Freifläche von 20 mal 20 Kilometern). Interessant sind noch zwei weitere Aspekte: zum einen sind bereits Speicher für Strom und Wärme integriert und zum anderen dient die Biomasse nicht zur Bereitstellung von Wärme durch Verbrennung, sondern nur zur Erzeugung von Methangas.

Wenn ich kurz vor Weihnachten 2012 einen Wunsch an die hohe Politik in den Ländern und in der EU frei hätte, wäre es das neue Vergütungsmodell für die Photovoltaikanlagen auf privaten Wohngebäuden, die sowohl Strombezieher als auch Stromlieferant sind: ein ehrlicher, gerechter und fairer Preis für den Überschuss-Strom nach Treu und Glaube – für 20 Jahre garantiert und immer um 6 Cent pro KWh über dem jeweils gültigen Privatkundentarif.

Das babylonische Chaos durch die große Anzahl derer am Bau Beteiligten können Sie durch viel Wissen, Einsatz und Präsenz auf der Baustelle verbunden mit persönlicher Resilienz – also Widerstandsfähigkeit – und gutes und richtiges Projektmanagement (Sachziel, Termin und Kosten unter Einhaltung aller Rahmenbedingungen) entlang der Nahtstellen des Bauprojekts in den Griff bekommen. Damit erreichen Sie das Sachziel des funktionierenden emissionsfreien Nullenergiehauses, bauen in angemessen kurzer Zeit und halten auch die Baukosten im Zaum.

Ich habe viele Begriffe und noch mehr Zahlen mit ihren physikalischen Einheiten (Sie erinnern sich sicher noch an die Ungetüme wie KilowattstundenProQuadratmeterUndJahr und zum letzten Mal hier an dieser Stelle mit der Abkürzung KWh/m²a) in diesem Buch vorgestellt und erklärt. Sie sind für das Verständnis und die Einordnung in die Zusammenhänge auch notwendig und nützlich. Einen Begriff möchte ich noch besonders erwähnen: die Nachhaltigkeit.

Häufig strapaziert und durch inflationären Gebrauch abgenutzt, steht Nachhaltigkeit meistens für „Müssen“, für „alternativlos“ und dem „Einreden von schlechtem Gewissen“, ist aber gleichzeitig mit völlig verantwortungslosem Verhalten vieler Entscheidungsträger gekoppelt. Richtig verstanden, zugelassen und angewandt, wäre Nachhaltigkeit aber ein Schlüssel für die freiwillige und freudige Bereitschaft vieler Menschen zur individuellen Entfaltung und Eigeninitiative, damit für mehr Wohlbefinden, guter Gefühle, Lebensqualität und ja, auch für mehr Genuss. Nachhaltigkeit wäre dann ein Orchester lebendiger Musikrichtungen und nicht eine Ansammlung lebloser Instrumente der Bürokraten.

Ich habe einfach großen Spaß daran, die monatlichen Zählerstände abzulesen, diese in meine Excel-Tabellen einzutragen, die schönen Diagramme zu betrachten und zu sehen, wie sich die Kennwerte wieder in ihren vorgegebenen und erwarteten Bahnen bewegen. Sie können mein Energiemonitoring Eins-zu-Eins übernehmen und gleich viel Freude daran haben. Andere reden über Einsparungsziele bis 2020 und entwickeln Visionen bis 2050. Sie haben die Bestätigung, es gut und richtig gemacht zu haben und sehen den Erfolg monatlich schwarz auf weiß.

Mit diesem Buch haben Sie auch die Lizenz zum Energiesparen erworben, auch wenn die Energiepreise weiterhin steigen. Und das werden sie.
Geld und Kosten als harte Faktoren sind wichtig. Aber es gibt auch noch weiche Faktoren, die im täglichen Leben oft von noch größerer Bedeutung sind. Im Vergleich zu unserem Wohnhaus (das ich auch sehr liebe und 1988/89 gebaut habe) sind es drei Unterschiede in der Behaglichkeit und im Wohlbefinden, die mir in diesen mittlerweile sechs Jahren Leben und Arbeiten im Nullenergiehaus sehr an das Herz gewachsen sind:

  1. Die gleichmäßige Innenraumtemperatur in allen Räumen und auch nahe den Fenstern im ganzen Jahr. Es verblüfft mich immer noch, wie sich das System „Passivhaus“ so selbst regulierend durch die Jahreszeiten bringt.
  2. Die staubfreie und frische Raumluft.
  3. Die warmen, trockenen Wände und Fenstergläser im Inneren der Wohnräume, es gibt kein Beschlagen der Fensterscheiben und keine Schimmelbildung.

Es bleibt mir nur noch, Ihnen viel Glück und Erfolg für Ihr Bauvorhaben zu wünschen.
Alles was Sie dazu brauchen, haben Sie in diesem Buch gerade gelesen und gelernt.